DIENEN

Posted by on Okt 27, 2015 in Interviews | No Comments

Zita the butler

Zita Langenstein über DIENEN:

Wie definierst Du Arbeit?
Die Arbeit / meine Arbeit sehe ich als Lebensaufgabe. Der Sinn meines Lebens. Hier lerne und entwickle ich mich. Und ich glaube, es ist egal welche Arbeit wir haben oder tun – es ist genau die – die zu uns passt.
Was bedeutet Dir persönlich Deine Arbeit?
Der vorgängigen Antwort entsprechend – viel. Und das war immer so. Egal ob ich als Zimmerfrau tätig war, ob ich im Service gearbeitet habe, eine Rezeption führte, für einen arroganten Herzog als Butler tätig war – oder eine Grossveranstaltung durchführe – ich bin mit Herz und Blut dabei. Und wenn‘s vorbei ist – gehe ich zum nächsten.
Was genau ist im Sinne eines Butlers Dienen?
Genau. Dienen. Über die Bedeutung des Dienens könnte ich natürlich viel schreiben. Und übrigens – jeder Beruf ist konzipiert für das Dienen. Mir ist auf jeden Fall kein Beruf bekannt, in dem das Dienen nicht integriert ist.
Wenn ich Bekannte frage, was aus ihrer Sicht die wichtigsten Anforderungen an das Dienen ist – so höre ich oft: Ja sagen, Anpassungsfähigkeit, Servicekenntnisse, Diskretion, Freundlichkeit, souverän in der Businessetikette.
Ich ergänze dann mit: klare berufliche und private Ziele, Führungskompetenz, proaktives Verhalten, gebildet, Begeisterungsfähigkeit
Dienen hat natürlich nichts mehr mit devotem Verhalten zu tun. Die besten Butler haben perfekte Managementfähigkeiten. Jedoch zeigen sie das nicht. Kürzlich war ich in einen Haushalt tätig – der Senior Butler wurde von einem Gast angesprochen. Der Gast machte ihm grossartige Komplimente. Menu Auswahl, Wein, Unterhaltungsprogramm – es sei absolut einzigartig gewesen. Der Butler zeigte sich beschämt und sagte dem Gast, ob er ihn zum Gastgeber begleiten dürfte – denn selbstverständlich sei der ganze Abend vom Gastgeber konzipiert und geplant worden. Der Gast wiederholte somit das Kompliment beim Gastgeber. Der Gastgeber nahm dieses anerkennend entgegen.
Kann Dienen Erfüllung sein? Ist es nicht eher ein Verzicht?
Es ist pure Erfüllung.
Bedeutet Dienen einen Statusverlust?
Das ist sicher so – von der Geschichte her. Das arme Volk – diente dem reichen Volk. Und irgendwie ist das auch heute noch so.
Heute spricht man natürlich nicht mehr in diesen Worten. Aber ein Mitarbeiter dient natürlich seinem Vorgesetzten.
Die Einstellung gegenüber STATUS hat sich aber sehr verändert. Aber es gibt sie noch. Kürzlich war ich als Butler für einen Prinzen tätig. Er hatte das Bedürfnis alle 20 Minuten zu erklären das er der Prinz von .. sei, im Besitze von … Ländern, …Dollar, …Häuser, ….Autos, ….bis ich dann nach zwei Stunden endlich merkte, dass ich das natürlich aufnehmen muss. So habe ich – wenn es dazu kam – ihn natürlich jedes Mal so vorgestellt. Das ist Prinz …, er ist der Sohn des Königs …., er besitzt ….usw. usw. usw. 
Der Prinz war sooooo glücklich.
Ich glaube aber, es ist der Segen meines Alters. Mit solchen Dingen habe ich ja überhaupt kein Problem. Im Gegenteil. I love it. Ein junger Butler der mich begleitet konnte sich damit gar nicht identifizieren… Verstehe ich.
Was braucht man um eine gute Butler/in zu sein?
Der Begriff Butlerin wird eigentlich nicht eingesetzt. Es gibt Butler oder Female Butler.
Obwohl es sich fast niemand vorstellen kann. Als Butler spielt man eine sehr wichtige Hauptrolle. Somit muss man gut reden können. Stehen. Spielen.
Ich muss mich z.b. für einen Abend in ein Team einleben können, ein Team, das ich nicht kenne. Sie müssen mich auch sofort erkennen. Mir anpassen.
Strenge, Genauigkeit ist wichtig.
Und sehr viel Mut. Ich habe so oft gedacht nach einem Butler Auftrag: „Mein Gott. Wie hast du das wieder gemacht.“ Denn es ist sooooo viel Unvorhergesehenes dabei.
In welcher Beziehung steht man zu den Menschen, denen man dient?
Näher als viele Familienmitglieder.
Dazwischen aber ist immer die so genannte „Redline“ eine Distanz die diese Nähe – nie zeigt.
De-mut kommt ja ursprünglich vom „Mut zu Dienen“ – Muss man für’s Dienen mutig sein?
Das habe ich jetzt nicht gewusst. Diese Worte freuen mich extrem. Und Niemand glaubt mir das.
Mut zu zeigen, ist die wichtigste Fähigkeit.
Siehst Du da einen Bezug zur Dienst-leistung?
Total. Wir haben in der Dienstleistung sooo viel intelligente, gut ausgebildete, herzliche Menschen.
Aber viel zu zurückhaltend.
Welche Wirkung hatte Deine Butler-Ausbildung auf Dich persönlich und auch auf Deine andere Arbeit bei der GastroSuisse?
Auf mich persönlich: Ich habe viel Selbstvertrauen gewonnen. Und damit natürlich bin ich mutig geworden gegenüber Kunden. Mich haut jetzt nicht mehr so schnell ein Kunde um.
Die Trainings, die ich durchführe haben Lösungsansätze für den Umgang mit Kunden, die sind einzigartig.
Welche Rolle spielt Dienen aus Deiner Sicht in der modernen Arbeitswelt?
Arbeiten ist Dienen. Wir dienen immer Jemandem.
Was muss ich tun um glücklich oder auch nur zufrieden in meiner Arbeit zu sein?
Die Arbeit finden – die mir gefällt.
Laufende Ausbildung, damit das Selbstvertrauen gestärkt ist.
Ziele.
Was glaubst Du ist die Aufgabe der Menschen in der neuen sich verändernden Arbeitswelt?
Eine weitgreifende Frage.
Aber die Arbeit selbst verändert sich nicht grundsätzlich. Wir brauchen Ziele, Genauigkeit und tägliches Tun.
Was müsste aus Deiner Sicht in der Arbeitswelt anders sein? Wie siehst Du die Zukunft?
Die Arbeitswelt verändert sich laufend. Und wir verändern uns laufend mit ihr.
Die Arbeit steht ja nicht alleine da, sondern immer mit Menschen. Also – wenn die Menschen sich entwickeln, verändert sich die Arbeit. Entwickelt sich der Mensch nicht, verändert sich die Arbeit nicht.

Zita Langenstein über sich:

ICH BIN…
…zuerst einmal Nidwaldnerin.
Vor allem im Herzen.
Aber dann gleich auch Kosmopolitin.
Zumindest im Kopf.
Weit gereist. Und für Neues empfänglich.
Also geradezu prädestiniert für die Bewältigung
meiner täglichen Herausforderungen als
Leiterin Weiterbildung, bei GastroSuisse.
Und das bin ich seit etlichen
Jahren mit Leib und Seele.

Referentin und Trainerin in den Spezialgebieten:
– Umgangsformen, Manieren
– Servicequalität
– Mitarbeiterführung